Gudrun Schneider, Diplomandin 2009/2010
"Schlichter" Verhalten bei Pferden
Meine Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Thema "third-party intervention" bei Pferden, d.h. dem Eingreifen eines dritten Pferdes in die Interaktion zwei anderer. Dass solche Interventionen bei Pferden vorkommen, ist bereits von verschiedenen Autoren beschrieben worden (Van Dierendonck et al., 2009; Heitor, 2006; Keiper, 1988; Feist & McCullough, 1976). Die Gründe, welche die Tiere dazu veranlassen, sind aber nach wie vor nicht vollständig geklärt. Eine Rolle spielen vermutlich der Schutz bzw. die Unterstützung verwandter Tiere (Feist & McCullough, 1976), die Bekräftigung sozialer Bindungen (Van Dierendonck et al., 2009) oder direkte Vorteile, die sich für das eingreifende Tier aus der Intervention ergeben, wie z.B. der Zugang zu sonst unzugänglichen Ressourcen. Betrachtet man Untersuchungen bei anderen Säugetierarten, findet man noch weitere Erklärungsmöglichkeiten. Einer dieser Erklärungsansätze ist reziproker Altruismus, der z.B. bei Hutaffen (Silk, 1992) nachgewiesen wurde. Hierbei geht man davon aus, dass ein Tier einem anderen hilft, weil sich so die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das unterstützte Tier dem Helfenden zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls hilft.Als weitere Erklärungsmöglichkeit konnte Jennings (2008) "Winner-Effekte" als Ursache für unparteiische Interventionen in Kämpfen bei Damhirschen nachweisen. Diese Erklärung beruht auf der Annahme, dass ein Tier eine erhöhte Wahrscheinlichkeit hat einen Kampf zu gewinnen, wenn es auch den vorausgegangenen Kampf gewonnen hat. Indem das intervenierende Tier einen Kampf unterbricht bevor der Gewinner feststeht, kann es verhindern, dass einer der Kämpfenden einen "Winner-Effekt" für sich verbuchen kann.
Außerdem wurde von verschiedenen Autoren beschrieben, dass nicht alle Pferde gleich häufig Interventionen zeigen, sondern bestimmte Tiere besonders häufig in das Verhalten anderer eingreifen (Van Dierendonck et al., 2009). Dies ist auch von anderen Tierarten, wie z.B. Makaken (Flack et al., 2006), Tüpfelhyänen (Zabel et al., 1992) und wilden Hunden (Villiers et al., 2003) bekannt. Trotz der vielen Untersuchungen zu den Ursachen von Interventionen, hat man sich bisher kaum damit beschäftigt, was solche Tiere auszeichnet, die gehäuft Interventionen zeigen. In meiner Diplomarbeit möchte ich untersuchen, ob Pferde, die besonders häufig Interventionen zeigen, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale besitzen und ob sie eine besondere Stellung im sozialen Netzwerk der Gruppe einnehmen.